Christlich?

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Am 27. Oktober 2016 hat die „Zeit“ einen Artikel veröffentlicht in welchem sie fragten „Was ist noch christlich?“ (hier geht es zum Artikel). Sie befragten Politiker, Prominente, Atheisten, Moslems und Christen.

Anlass dafür war der bevorstehende Reformationstag, welcher nun schon über 500 Jahre zurückliegt. Man durfte in einem kleinen Video äußern, was man als christlich bezeichnen würde und was nicht.

Nun gab es eine Vielzahl von Antworten, wobei das Christentum in einigen Fällen nicht gut davongekommen ist. Andere hingegen haben schöne Aussagen getätigt, von welchen ich sogar überrascht war ( z. B. Thomas de Maiziére). Bei einigen Antowrten, wie bei unserem Bundesinnenminister, ereilte mich das Gefühl, dass viele eine einfache Definition aussprachen ohne dahinter zu stehen. Manche drückten es als Forderung aus.

Ehrlich gesagt habe ich mir nicht alle Antworten durchgelesen bzw. angeschaut. Interessant fand ich jedoch, dass die „Zeit“ auch Atheisten oder Moslems befragt hat dazu. Meiner Meinung nach kann jemand der absolut keine Ahnung hat vom Christentum auch nicht definieren was christlich ist und was nicht.

Deshalb fragte ich in meinem Freundeskreis nach, welcher fast ausschließlich aus gläubigen Personen besteht. Hier mal einige Beispiele der Antworten:

„Kurz gesagt: Der Lehre von Jesus Christus entsprechend.“

„So zu Leben wie Jesus.“

„Was dem Namen Christus Ehre macht. Das was er sagt zu tun.“

Für Sie war die Frage recht simpel und schnell beantwortet, doch mir gab es eine Zeit lang keine Ruhe und ich dachte immer weiter darüber nach. Ihre Antworten waren korrekt jedoch empfand ich sie als zzu „plump“. Schließlich erinnerte ich mich an das Buch „Pardon, ich bin Christ“ von C.S. Lewis in dem er dieses Thema in einigen Zeilen anspricht.

„Wenn sie jemanden einen Christen nennen, werden sie damit meinen, dass sie ihn für einen guten Menschen halten. Aber diese Verwendung des Wortes wird keine Bereicherung unserer Sprache sein, denn das Wort gut haben wir bereits. Dagegen wird das Wort Christ keinerlei sinnvollen Zweck mehr dienen können. […] Die Bezeichnung Christen wurde erstmals in Antiochien für die ‚Jünger‘ verwendet, also für diejenigen, die die Lehre der Apostel annahmen. […] Wenn ein Mensch, der die christlice Lehre annimmt, ihr in seiner Lebensführung nicht gerecht wird, ist es viel klarer, ihn einen schlechten Christen zu nennen, als zu sagen er sei gar kein Christ.“ (Pardon, Ich bin Christ, C.S. Lewis Seite 18-19)

Lewis wollte auf den Ursprung des Wortes „Christ“ hinweisen. Es passte ihm nicht, dass „unchtistlich“ und „christlich“ als Synonyme für „gut“ und „schlecht“ missbraucht werden.

Letztendlich fragte ich auch meine Frau was für sie denn christlich wäre und ich bekam eine Antwort die mir bis zum heutigen Tag nicht aus dem Kopf geht. Natürlich möchte ich ihre Antowrt auch mit euch teilen. Sie sagte:

„Wenn man sich das Wort allein schon betrachtet „christlich“, dann ist im Zentrum „Christ“ also Christus. Der Zusatz „lich“ steht doch dafür wie das wort zuvor sie verhält. Das bedeutet im Endeffekt Die Art und Weise von Jesus Christus sich selbst anzueignen und danach handeln ist christlich. Genauso wenn man einen Namen nehmen würde und ein „lich“ dazufügen würde wie „Berndlich“ dann wäre es ein Verhalten/Denken wie ein Bernd. Nur ist ein Bernd nicht genau definiert, Jesus Christus aber schon.“

Als sie mir diese Antwort gab wurde mir abermals bewusst wie groß der SEgen Gottes war, als er mir diese Frau schenkte:). Für mich war diese Antwort eigentlich DIE Antwort schlechthin. Nun würde ich aber auch gerne wissen was du für antworten würdest, wenn dich jemand fragen würde „Was ist christlich?“

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13 Gedanken zu “Christlich?

  1. “Interessant fand ich jedoch, dass die „Zeit“ auch Atheisten oder Moslems befragt hat dazu. Meiner Meinung nach kann jemand der absolut keine Ahnung hat vom Christentum auch nicht definieren was christlich ist und was nicht.“
    Ist das denn für dich das gleiche? Man kann sich doch auch als Atheistin und als Muslim total gut mit dem Christentum auskennen, oder?

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    • Die Theologie und die Gebräuche zu kennen gehört nur oberflächlich dazu. Um wirklich aussagen zu können was das Christentum ausmacht bzw was christlich ist bin ich der Meinung muss man darin leben. Wenn ich Nationalitäten als analoges Beispiel nennen darf, man kann die Regierungsstrukturen, Gebräuche, Feiertage und Gewohnheiten der deutschen kennen aber kann man dann sagen was wirklich deutsch ist? Viele haben so etwas versucht nur gibt/gab es immer wieder Widerspruch von den „echten“ Deutschen.

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      • Naja. Viele Atheisten und auch Musliminnen waren sogar mal christlich. Die wissen dann doch aus erster Hand Bescheid.
        Außerdem geht es bei der Frage ja auch um eine Wahrnehmung, und da ist eine Perspektive von außen doch auch interessant. Die Selbstwahrnehmung ist selten identisch mit der von außen, aber nicht zwingend richtiger, oder?

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  2. Als überzeugter Christ muss ich sagen, dass wenn jemand vom christlichen Glauben abkommt und zum Islam konvertiert die wahrhaftige Botschaft des Evangeliums nicht verinnerlicht hat. Ebenso beim Atheismus. Es wird in der Bibel als „Götzendienst“ bezeichnet. Eine Selbstwahrnehmung kann falsch sein da gebe ich Ihnen recht. Jedoch ist die Bibel auch als Spiegel bzw Messlatte vorhanden in welcher die echte Darstellung eines Christen durch wahren Glauben, viel Studium und Gebet einem Menschen offenbart wird.

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      • Bei mehrmaligen Lesen scheint es wirklich immunisierend 😀
        Nun ist das immer die Gefahr bei Diskussionen religiöser Themen.
        Nun merkt man auch an der Art und Weise wie ich schreibe dass ich ein Laie bin, deswegen räume ich auch ein, dass die Formulierung etwas grob geschrieben ist.

        Es geht mir mehr darum, dass ein Christ in der Lage ist sagen zu können, was einen Christen ausmacht als jemand der diesen glauben prinzipiell nicht anerkennt weil da ein gott im spiel ist oder weil es nicht Allah ist.

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  3. “Meiner Meinung nach kann jemand der absolut keine Ahnung hat vom Christentum auch nicht definieren was christlich ist und was nicht.“ Nun, eine relativ neue soziologisch Studie hat dargelegt, dass Atheisten generell ein höheres Faktenwissen über Religionen (Inhalte&Geschichte) besitzen als Christen, eingeschlossen dem Christentum selbst. Ich kenne durchaus auch einige Muslime, die die Bibel (im Gegensatz zu anderen Christen) komplett gelesen haben. Sie insofern als ahnungslos zu Bezeichnen finde ich ungerechtfertigt. Natürlich treffen dort diametral unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander, allerdings kann auch ein Auenstehender doch eine Meinung zu anderen Themen haben und zudem sich- Empathie sei dank- ja auch in andere Menschen und Überzeugungen einfühlen (ohne deswegen selbst überzeugt zu sein). Ich würde von mir bspw. sagen, micht recht gut mit dem Judentum auszukennen. Daher könnte ich mir vorstellen, auf die Frage: “Was ist jüdisch?“ eine ganz akzeptable Antwort zu haben, ohne selbst jüdisch zu sein. Dieses Maß an Abstraktionsfähigkeit muss man Menschen doch zugestehen können. Wer das nicht kann, zeigt damit doch nur seine eigene Beschränktheit.

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  4. Die Diskussion hier ist schon ein bisschen älter, aber ich will auch noch etwas dazu sagen.
    Es stimmt, dass viele Nichtchristen ein gutes Faktenwissen haben (können)- manche haben ein so großes Wissen, dass viele Christen das nie erreichen können. Aber ist das alles? Ich muss kreuzblogger schon rechtgeben, wenn er sagt dass Menschen, die vom Christentum keine Ahnung haben,

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  5. … nicht als Referenz genommen werden können. Wenn wir die parallele zu den Naturwissenschaften ziehen, dann werde ich doch nicht einen Biologen bei physikalischen Fragen zu Rate ziehen und einen Mathematiker bei der Linguistik auch nicht. Sie können vielleicht ein gutes Fremdfachwissen haben, aber das ist noch lange nicht alles. Und wenn man das selbstimmunisierung nennt, dann kommen wir in eine sehr verzwickte Lage, weil demzufolge auch die Mathematik von Philosophen beurteilen werden muss und die Physik von den Historikern. Eine in sich abgeschlossener Fachbereich hat es nicht zwingend notwendig von externen Fachfremden verifiziert zu werden- auch wenn diese über viel Theoretisches Wissen verfügen.

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    • Hier wirfst du meiner Meinung nach aber mehrere verschiedene Dinge durcheinander. Wenn ich was über Giraffen wissen will, frage ich wahrscheinlich einen Biologen, richtig. Aber frage ich eine Giraffe? Hm. Also, je nach Frage kann die mir vielleicht auch weiterhelfen, aber zumindest kommt es mir nicht selbstverständlich vor, dass nur Giraffen zuverlässige Ansprechpartner zur Biologie von Giraffen sind.
      Was ich damit sagen will: Der Vergleich passt insoweit nicht, als „Christ“ zu „Christentum“ nicht steht wie „Mathematiker“ zu „Mathematik“, sondern eher wie „CDU-Mitglied“ zu „CDU“. Christinnen können mir also, anders als Nichtchristinnen, eine Innenperspektive liefern, aber dass nur ihre Meinung zählt, kann man auch wieder nicht sagen.
      Und dann würde ich gerne noch mal ergänzen, dass es ja viele Atheistinnen gibt, die früher mal Christinnen waren, also auch die Innenperspektive kennen. „Keine Ahnung“ bleibt damit aus meiner Sicht nicht vertretbar.

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      • Man bedenke ferner, dass das nicht nur für das Christentum gilt. Nehmen wir als Beispiel mal den Islam. Kannte Osama bin Laden sich gut mit den Lehren des Korans aus? Ziemlich sicher ja, er war ein saudischer Prinz mit sonst keinen weiteren Beschäftigungen. Natürlich bin ich der Meinung, dass seine Interpretationen falsch und gefährlich waren, aber ihm grundsätzlich Ahnungslosigkeit über Inhalte vorzuwerfen, halte ich für eine gewagte These. Auf der anderen Seite gibt es Jugendliche aus der westlichen Welt, die vielleicht noch nie wirklich etwas mit dem Islam zu tun hatten, aber dafür viele Probleme in ihrem Leben haben. Bei ihnen kann es vorkommen, dass sie paar extremistische Videos anschauen, den “Koran für Dummies“ kaufen (in diesem Fall ironischerweise sehr passend) und dann schnell ab ins Kalifat ziehen, um für den IS zu kämpfen.

        Religionen und Ideologien sind grundsätzlich immer so konzipiert, dass man sie annehmen, sich von ihnen indoktrinieren lassen kann ohne ein Theologiestudium abgeschlossen oder in letztrem Fall ohne eine zertifizierte Ausbildung in Propagandaführung gemacht zu haben. Das ist ein sehr kritischer Punkt. Und außerdem gibt es ganz wunderbare neue Einblicke, wenn nicht-Christen das Christentum betrachten. Aufrgrund anderer Überzeugungen, anderer Sozialisation und in gewisser Hinsicht häufig auch neutralerer Sichtweise können dadurch interessante Erkenntnisse zu Stande kommen. Ein interessantes Buch in diese Richtung ist “Ungläubiges Staunen: Über das Christentum“ von Navid Kermani bspw.

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    • Ja und nein. Ich finde, der Vergleich hinkt an verschiedenen Stellen. Offensichtlich gibt es einen Unterschied zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung, aber das gilt ja auch umgekehrt. Und frei nach dem römischen Grundsatz: Audiatur et altera pars halte ich es für sehr wichtig, andere Meinungen einzufangen.

      Und in einer bestimmten Gruppe zu sein, macht eine Meinung nicht automatisch höherwertig oder immunisiert gegen Kritik. Wenn ein Biologe behauptet, er sei überzeugt davon, dass es verschiedene Maissorten gibt, weil Jesus nach seiner Kreuzigung sich in Amerika zur Ruhe gesetzt hat und dort Mais gezüchtet hat, halte ich das ohne Belege für eher unplausibel, auch wenn es ein biologisches Thema streift und mag ich selbst auch kein Biologe sein. Das ist wohl ein eher autritätshörige Form des Denkens, jemand hat recht, weil er qualifiziert ist für sowas.

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